Die Ereignisse der letzten Wochen sind sicher an niemandem spurlos vorbei gegangen. Mal wieder wurde deutlich, dass Rassismus weiterhin ein weltweites Problem ist, bzw. in zunehmendem Maße wieder wird. Rund um den Globus versammeln sich Menschen und zeigen sich solidarisch. Auch wir haben uns unter die Protestierenden gemischt, fotografisch dokumentiert und unsere Eindrücke verarbeitet. Die Ergebnisse findet ihr hier – silent protest am 06.06.20 Wöhrder Wiese, bzw. blacklivesmatter-Demo am 13.06.20 Marienbergpark.

Aber damit nicht genug! Wir möchten uns hier als multikulturell geprägtes Kollektiv klar und deutlich gegen jegliche Form von Diskrimination und Rassismus stellen. Wir möchten unsere Stimmen denen leihen, die unter eben diesen leiden, ihren Geschichten Gehör verschaffen und ihnen ein Gesicht geben…

Wir rufen alle auf, es uns gleich zu tun – STOP HATE, STOP VIOLENCE, STOP DISCRIMINATION AND RACISM!

Hallo, mein Name ist Nasser Ahmed und ich bin seit 2014 Mitglied des Nürnberger Stadtrates. Seit diesen beeindruckenden Protesten gegen Rassismus und für Menschenwürde werde ich immer wieder gefragt: Nasser, hast du schon mal Alltagsrassismus erlebt? Gibt es das überhaupt? Ich muss sagen: es freut mich einerseits, dass das Thema so auf der Agenda ist. Andererseits wundere ich mich schon über die Frage. Denn ja, fast jeder schwarze Deutsche kann bestätigen, dass er schon Alltagsrassismus erlebt hat. Die Spanne geht von vermeintlich „harmlosen“ Hänseleien, schlechten Witzen aber leider auch bis zu Gewalterfahrungen. Klar hab auch ich das erlebt. Hänseleien in der Kindheit, verletzende Bemerkungen auf dem Schulhof aber auch das N-Wort auf dem Fußballplatz. Alles in allem bin ich aber wohlbehütet aufgewachsen und habe daher zum Glück keine zu heftigen Erfahrungen machen müssen. Doch nicht jeder hat solch ein Glück und es gibt noch zu viel Alltagsrassismus. Ich hoffe, jetzt wo das Thema so an die Oberfläche kommt, öffnet das auch vielen weißen Deutschen die Augen. Viele von ihnen merken gerade: es reicht nicht, kein Rassist zu sein, sondern man muss Anti-Rassist sein. Wir sollten – unabhängig von der Hautfarbe – gemeinsam im Alltag Zivilcourage zeigen, wenn wir solche Situationen auf der Straße, in der Bahn, beim Sport oder sonst wo mitbekommen. Und wir sollten alle darauf pochen, dass auch in unseren staatlichen Instituionen, wie etwa bei der Polizei, Vorurteile abgebaut werden. Denn da ist ein Problem bspw. Racial Profiling. Damit das endet, braucht es politische und gesellschaftliche Initiativen. Und das im Dialog mit den Beamtinnen und Beamten bei der Polizei. Ich bin zuversichtlich, dass sich in unserer Gesellschaft und Politik jetzt etwas ändert. Dank dem Anstoß, der von den Protestierenden in Nürnberg, Deutschland und der ganzen Welt ausging.

Hallo, ich bin Dorcas und komme aus Kenia. Ich lebe seit über 10 Jahren in Deutschland, in dieser Zeit habe auch ich Rassismus erlebt. Als Beispiel wurde ich während meiner Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin durch ältere Damen eines Senioren-Stifts als „Neger“ beschimpft, ich solle zurück nach Amerika gehen, wo ich herkomme (entspricht nicht mal den Fakten). Sie ließen sich nicht von mir versorgen, geschweige denn anfassen. Eine der Damen fragte eine Kollegin, ob sie nicht andere Deutsche gefunden hätten, dass solche Leute wie ich da jetzt arbeiten müssten.
Nächstes Beispiel im Ausländeramt. Anfangs bin ich immer alleine zu den Terminen, für die Beantragung des Visums und so. Diese Sachbearbeiterin hat mich nicht zu Wort kommen lassen, mich nicht angeschaut, mir Aufgaben in Beamtendeutsch mündlich gestellt, was ich noch mitbringen müsse. Manche Sachen habe ich nicht verstanden da mein Deutsch noch nicht gut war. Bei späteren Terminen habe ich mein Mann oder eine Arbeitskollegin (beide deutsch) mitgenommen, plötzlich war die Beamtin wie ausgewechselt, freundlich, hilfsbereit und machte überhaupt keinen bösen Eindruck. Ich hatte schlaflose Nächte wenn ich erneut alleine dahin gehen musste🙈 Ich wünsche mir für meine Tochter, dass die Gesellschaft endlich reif genug wird mit kultureller Vielfalt nicht nur umgehen zu können, sondern alle schönen Erfahrungen aus aller Welt gemeinsam erlebt und genossen werden können.

Hi, mein Name ist Rachel. Ich bin Schlagzeugerin und lebe in Berlin. Meine Wurzeln sind überwiegend im Balkan aber auch über diese Grenzen hinaus verstreut. Meine Familie besteht seit Generationen aus MusikerInnen und es ist natürlich, dass Musik auch meine größte Leidenschaft ist – neben dem Spaß am Schreiben, Fotografieren u. fotografiert werden, Unterrichten, als Sprecherin oder als Personal Trainerin zu arbeiten.  In der Welt der freischaffenden KünstlerInnen ist es elementar sich für das Anderssein der Anderen zu interessieren, aus dem riesigen Pott der Vielfalt zu schöpfen und sich von ihr inspirieren lassen zu können. Dass das nicht für alle Menschen selbstverständlich ist, auch nicht im Jahre 2020, fällt immer auf, wenn man sich wieder außerhalb dieser ‚Blase’ aufhält und wie ein Tourist durch einen Nebel der absurden Vorstellungen von Dein/Mein, Stolz auf die sog. Zugehörigkeit und Identitätsproblematik mit Focus auf Nuancen von Hautfarben irrt. Leider ist das weder spannend noch interessant- schon gar nicht inspirierend! Mir ist als Kind in der Schule das passiert, was allen Kindern passiert, die mit ihren Eltern auswandern. Gehänselt werden wegen des Namens, des nicht vorhandenen Pausengraubrotes mit Salami sondern ausländisch Deftigem und verprügelt werden weil einen die Mutter wieder ‘undeutsch’ gekleidet hat. Soweit das Übliche. Aber öffentlich mit einem Familienmitglied unterwegs zu sein, oder mit der ganzen Mischpoke, war manchmal noch peinlicher, nicht nur wegen des atemberaubenden Akzentes, der mir gerade bei musikalischen Menschen unbegreiflich ist. Wir haben verschiedene Farbnuancen in unserer Familie. Als Teenie habe ich noch Verwandtschaft erleben dürfen, die verschiedene Lager in Ex-Jugoslawien und Ungarn, Russland überlebt hatte. Das alles steckt seit Generationen tief fest. Ein Teil meiner Verwandtschaft ist nicht nur immer noch im eigenen Kastensystem gefangen sondern wird auch weiterhin im eigenen Heimatland diskriminiert. Wenn außerhalb dieser Randgruppe jemand einheiratet sind die Probleme programmiert. Das ist soweit nichts Ungewöhnliches, aber bei der Hautfarbe hört bekanntlich der Spaß auf – auf beiden Seiten. In unserem Fall kam noch das Ausdrucksmittel Musik hinzu. Es kam und kommt auch heute noch auf den ‚richtigen’ Musikstil an und wie weit man sein Instrument beherrscht. Über diese Sprache konnten gnadenlose Kriege geführt werden, ohne ein einziges Wort gesagt zu haben und ohne die Miene zu verziehen.  Manche Familienmitglieder sind so dunkelhäutig und haben derart gekräuseltes Haar, dass sie aus Jimmy Hendrix’ Verwandtschaft stammen könnten. Nicht so meine Lieblingstante. Durch die Engagements meiner Familie wechselten wir ständig den Wohnort und meine Kindheit verbrachte ich auf einer immerwährenden Tour. Eines Nachmittags liefen meine Tante und ich in irgendeiner Fußgängerzone Deutschlands herum und es fing plötzlich an heftig zu regnen. Meine Tante und ich stellten uns unter die Markise eines Schuhgeschäfts. Da riss plötzlich die Verkäuferin von Innen die Tür auf und winkte uns in den menschenleeren Laden. Wie freundlich, dachte ich erst. Sie zog die Tür hinter uns zu und verschloss sie ganz hektisch mit den Worten : ‘Schnell, schnell, bevor hier noch irgendwelche Gypsys oder Nigger hereinkommen!’  und lächelte uns an. Meine blondgefärbte relativ hellhäutige Tante lächelte zurück und meinte : Oops, zu spät! Schon drin!! Den Gesichtsausdruck der Verkäuferin und den unerträglichen Moment der Stille werde ich nicht vergessen.  Der Dame und mir war es irrsinnig peinlich, aber sie sammelte sich schnell wieder, verschwand im hinteren Bereich und brachte uns nach einer Weile Tee und englisches Gebäck, denn sie war gerade von England nach ‘Deutchländ‘ ausgewandert und davon hat sie uns dann, bis es zu regnen aufhörte, erzählt. Ich hatte eine wirklich coole Tante und ich wünschte ich hätte es damals auch so gesehen. Mir war es leider wichtiger von der sog. Deutschen, die gar keine war, akzeptiert zu werden und bloß nicht aufzufallen. Das Ganze hätte aber genauso gut in einer ungarischen Fußgängerzone oder sonst wo stattfinden können Meine Eltern hatten Glück, da sie ihrer musikalischen Arbeit nachgehen konnten. Sie mussten weder die ‘Drecksarbeit‘ machen, noch wurden sie ausgebeutet oder landeten in irgendwelchen Heimen, auf dem Weg ganz nach unten. Trotzdem hatten sie genug mit den alltäglichen Konflikten und den verletzenden Bemerkungen zu tun. Natürlich haben sie alles getan um negative Konsequenzen zu vermeiden, was schwierig war ohne sich zu sehr verbiegen zu müssen. Ich wiederum hatte noch mehr Glück, da ich so unkonventionell aufwachsen durfte, mit verschieden Sprachen, Glaubensrichtungen, Haut aller Couleur und in Deutschland! Dementsprechend habe ich auch Berufe ergriffen, die darauf basieren mit den unterschiedlichsten Menschen aus aller Welt umzugehen. Diese privilegierte Position auf mehreren Seiten zu Hause zu sein hat nicht jeder. Trotzdem versuche auch ich zu oft evtl Konflikten aus dem Weg zu gehen, um eben z.B. nicht während eines Gigs in einem Vereinsheim im Osten von einer Gruppen Nazis von der Bühne gezerrt zu werden oder mich von einem Busfahrer anmaulen zu lassen, (ich solle doch dahin woher ich usw.), der mir die Fahrkarte vor die Füße wirft und dann, während ich mich bücke um sie aufzuheben dermaßen Gas gibt, dass ich quer durch den Bus bis ganz nach Hinten fliege und mir entsetze Omis, die sich in ihrer Handtasche festkrallen hinterherglotzen (z.B. in Bayern passiert). Das Thema ist zu komplex, um es auf ein paar Ebenen herunter zu brechen, aber es geht doch bei jedem Einzelnen, und um das was er/sie in die Welt setzt, los. Daher würde ich mir für die Zukunft wünschen, dass in allen Kindergärten weltweit das Interesse am Anderssein, in welchem Bereich auch immer, noch mehr gefördert wird. Eltern und Erzieher sollten die Kinder unterstützen beim Heranwachsen zu einem selbstbestimmten Menschen, mit genügend Selbstliebe, einer ausgeprägten Empathiefähigkeit und Gerechtigkeitssinn. Das ist nachhaltig und die halbe Miete wenn es darum geht später dasselbe auch für andere Menschen einzufordern.  Außerdem wünsche ich mir viel mehr Therapeuten weltweit, die sich um die kindlichen, verletzten Egos in erwachsenen Menschen kümmern. Aufgearbeitetes schafft bekanntlich wieder Platz für eine klare Sicht der Zusammenhänge und Mut zur Eigenverantwortung. Somit muss man nicht ewig ‘die Anderen’ für den eigenen Mangel und Frust verantwortlich machen, Idioten Macht in Hände legen und sich permanent mit Selbstverteidigung beschäftigen! Ich habe das Gefühl, dass das Bewusstsein für Freiheit, Gerechtigkeit und den Respekt für einander da ist. Das zeigen die weltweiten Protestbewegungen. Wir verbessern uns von Jahrhundert zu Jahrhundert aber die Arbeit daran wird wahrscheinlich nie aufhören. Der Schlüssel für jedes Handeln sind Emotionen und diejenigen, die in der Öffentlichkeit stehen, Künstler vor allem, die sie in uns auslösen, haben die Pflicht weiterhin furchtlos ihren Einfluss wahr zu nehmen und uns jeden Tag dazu aufzufordern Freiheit und   Demokratie zu verteidigen. Es ist unser aller Problem, vor allem die Weißen können es lösen!

Hallo, mein Name ist Moses Kamdem, ich studiere Jazz-Gesang in Nürnberg und Alles ist Eins. Es fließt.

DICHTIG WIE NICHTIG ICH IST

schlicht süchtig in Sich-Dich-Sicht bepflücke ich mich

für die Frucht von Dir, die mich bricht

erblicke ich Licht?

Jede Schicht bringt sich ins Licht

erlischt es nicht, so küsst es dich womöglich wohl löblich mal hinterrücks…

(Anmerk. der Red.: Was würde uns wohl erwarten, wie viel besser wäre unsere Welt wenn wir es irgendwann endlich schaffen würden, über all die Schubladen hinweg zu sehen – jene, in die wir andere stecken aber auch die, in denen wir uns selber fangen….)

Mein Name ist Sani Yacoubou, ich komme aus Ghana, West Afrika, und bin seit 2001 deutscher Staatsbürger. Rassismus und Diskriminierung wird es meiner Meinung nach immer geben. Das Thema muss bei der jüngeren Generation viel präsenter werden. Ich denke es wird viel Zeit in Anspruch nehmen um Rassismus aus der Welt zu schaffen. Persönliche Erfahrung mit Rassismus habe ich natürlich auch. Am Flughafen Nürnberg, als ich aus dem WC kam, fragte mich eine Gruppe junger Männer, ob es denn auf dem WC brennen würde weil ich ja schwarz bin. Ich bin der deutschen Sprache mächtig und konnte mich gegen diese geschmacklosen Äußerungen wehren und den Männern meine Meinung zum Ausdruck bringen. Inzwischen lasse ich mich nicht mehr von solchen Äußerungen irritieren und stehe einfach drüber. Rassismus in Deutschland ist leider etwas, was man alltäglich erlebt und wie ich finde immer präsent ist, ihn aus der Welt zu räumen wird Jahre dauern. Oft spreche ich mit meinen deutschen Freunden über dieses Thema, bei Freunden finde ich diesbezüglich auch Halt. Meine Freunde besuchen mich auch regelmäßig in Afrika, um dort die Kultur zu sehen und die Weltoffenheit der Afrikaner kennenzulernen. Obwohl ich mich in Deutschland integriert habe und über mehrere Jahre als Sportler aktiv war, unter anderem für den Bundesliga Club 1.FC Nürnberg, Oberligist 1.FC Passau und später Regionalligist 1.SC Feucht, war es nie wirklich einfach. Aber bei all diesen Sport-Vereinen habe ich mich immer heimisch gefühlt und habe auch Schutz empfunden. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber, Firma ZF Gusstechnologie Nürnberg, ist auch alles in bester Ordnung. Erfahrung im Alltag: U Bahn, S Bahn, Bus

MIS(S)_UNDERSTOOD

DON’T LET ME BE MISUNDERSTOOD – I FOUGHT – STILL FIGHTING TO STAND WHERE I AM NOW.

SO DON’T MISUNDERSTAND – THAT I’M FEELING MYSELF – THAT I LOVE MY SKIN – THAT I LOVE MY HAIR.
EVERY CURL – WEARING THEM LIKE A HALO – PROUD – REAL – AND NOT WITHOUT SACRIFICES.

SO UNDERSTAND – I AM NOT – TO ‚LIGHT‘ – TO ‚DARK‘ – TO ‚DIFFERENT‘ – MAKING ME GROW UP WITH ALWAYS DOUBTING MYSELF.

SO DON’T THE FUCK AIN’T LET ME BE MISUNDERSTOOD – FOR WALKING WITH MY HEAD UP HIGH – BEING SENSITIVE ON THE OTHER SIDE.
WHEN YOU TELLING ME GET OVER IT.

DON’T LET ME BE MISUNDERSTOOD – WHEN I’M TELLING YOU – BE MORE SENSIBLE UNDERSTANDING.
IT’S STILL AN ISSUE WE NEED TO OVERCOME.

SHINING TOGETHER – GLOWING ALL FROM HEAD TO TOE – DIPPED IN POSITIVE ENERGY – SOAKING UP EACH OTHERS SOOROWS AND TURN THEM INTO LIGHT.

YOU FEEL ME.

[UNDERSTAND.]

READ BETWEEN THE LINES.

°SK

Dear lovely human beings – wir alle möchten uns auf eine Weise mitteilen – uns und die Welt verstehen, begreifen, reflektieren, einander annähern. Simple as it is.
Und doch reden, verstehen, denken wir so oft aneinander vorbei, missverstehen einander.

miss°verstehen = eine Aussage, eine Handlung (unbeabsichtigt) falsch deuten, auslegen, jemanden, etwas missverstehen

ähnlich: missdeuten, ver°kennen = nicht richtig, nicht in seiner wirklichen Bedeutung erkennen und daher falsch beurteilen, jemandes Wert verkennen

ähnlich: missdeuten, missverstehen, unter°schätzen = zu gering einschätzen

ähnlich: bagatellisieren, benach°teiligen = in seinen Rechten hinter andere zurücksetzen; (jemandem) nicht die gleichen Rechte zugestehen wie anderen

bagatelli°sie°ren = als nicht wichtig, als unbedeutend, geringfügig ansehen, darstellen


Nun sind dies ‚lediglich nur‘ Wörter die allerdings in engem Kontext zueinander stehen – verwoben, verknüpft sind – und nur all zu gut wiedergeben, wie sich das Thema ‚Rassismus‘ viel zu oft anfühlt, behandelt und erlebt wird.
Denn Sprache hat solch eine Wirkung, solch eine Auswirkung.
Es ist nichts neues oder gar verwunderlich sich missverstanden zu fühlen, dass das ‚Problem‘ verkannt wird, Rassismus gar als solches nicht gesehen oder dementsprechend beurteilt wird und das wiederum auch auf diese Art zur Sprache gebracht wird.
Situationen denen ich bereits mein ganzes Leben ausgesetzt bin, missdeutet werden. Wenn ich von meinen Erlebnissen erzähle, das ‚Thema – Rassismus‘ zur Sprache bringe, missverstanden werde oder – denn es ist mehr als ein Thema es ist ein fundamentales, manifestiertes Unrecht, schon über Jahrhunderte hinweg – schlichtweg unterschätzt wird. Doch von wem wird es unterschätzt, wer weist diesem Unrecht, seinen Rang, Platz, seine Wertigkeit zu – Menschen die dieses Unrecht nie am eigenen Leib, persönlich erfahren haben, oder Menschen die diesem Unrecht schon viel zu lange zu unrecht ausgesetzt sind?! Denn letztere verharren viel zu oft im Schweigen, haben keine Stimme oder werden nicht gehört.
Von zu vielen, die nie persönlich die Erfahrungen, Momente durchleben mussten wird bagatellisiert – dies wird es selbst ab und an von der eigenen Person – als wäre das Innere zerrissen. Vielleicht ist es das auch, denn was bedeutet mein Schmerz im Vergleich zu dem was meine Vorfahren, meine Ahnen, mein Blut durchleben musste. Und doch ist es wert, sich dessen gewahr zu sein, dass man ein Teil dieses Schmerzes ist, dass auch dieser gestillt werden darf – dass auch meine Geschichte zählt, denn ich bin ein Teil dieser Geschichte.
Und so stehe ich auf, mache mich laut – auf meine ganz eigene Weise – nicht nur für mich, sondern für all diejenigen denen Unrecht widerfahren ist, denn das es Unrecht war, nach wie vor Unrecht ist, steht außer Frage – nicht zur Debatte.
Wir müssen noch so viel aus dem Schatten der Stigmatisierung holen, thematisieren, Licht ins Dunkel bringen – uns darüber austauschen, mitteilen, verstehen, begreifen und definitiv und vor allem menschlich annähern. Rassismus ist so weitreichend und tief verwurzelt, dass es noch einen langen Weg bedarf, um hier zu sensibilisieren, als Gemeinschaft und Individuum zu heilen und den Weg gemeinsam zu gehen. So trägt jeder seinen Part dazu bei, ob aktiv betroffen oder nicht, ob man an vorderster Front steht oder die Nachhut aufstellt. Als einen Marsch würde ich es auch bezeichnen a la Martin Luther King vibes, einen Fluss in Bewegung – denn das ist es, ein essentielles, in Bewegung bleiben ‚Make it a movement, not a moment‘.

Liebe und Grüße an alle wunderbaren Seelen out there – Cheers.

Sandra