die sieben todsünden

In Buchhandlungen steure ich immer zielstrebig auf die Fotografie Abteilung zu. Meist als erstes zu den Bildbänden. Nur um dann festzustellen, dass der geniale Bildband einfach zu schwer ist, um ihn noch den Rest des Tages durch die Stadt zu tragen. Dann doch noch mal einen kurzen Blick zu den Sachbüchern. Selten finde ich da etwas spontan. „Praxisbuch Vogelfotografie“ oder „Die Kunst der Wetterfotografie“ ist dann nicht so mein Ding und das „Umfassende Lightroom Handbuch“ hätte das gleiche Gewicht wie der Bildband (dann lieber den Bildband schleppen).

Bei einem Bummel in Regensburg ist mir dann doch mal ein Sachbuch zugefallen. „Die sieben Todsünden der Fotografie“ von Monika Andrae, Untertitel „Reflexionen und Wege zu besseren Bildern“ (der letzte Teil muss auf jedes Fotobuch). Mit einer gewissen religiösen Anspannung blätterte ich durch. Tatsächlich ging es nicht darum, dass man keine Portraits mit einem FishEye machen soll, sondern wirklich um sieben menschliche Laster die auf die Fotografie und den kreativen Prozess übertragen werden. Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit.
Alles nicht so Eigenschaften mit denen man gerne angibt. Aber ich muss sagen: ich habe mich in (fast) allen ein bißschen wiedergefunden.

Nur mal ein kleines Beispiel: Der Neid!
Ab und zu, also ganz ganz selten, erwische ich mich schon, wie ich neidvoll auf ein geniales Bild starre. Mir oft auch die Möglichkeiten an zeitlichen Ressourcen wünsche die andere haben. Und ich denn richtigen Blick für den entscheidenden Moment auch gerne gehabt hätte. Das hätt ich doch auch sehen können. Mal abgesehen davon, dass alle anderen eh besseres Equipment haben.

Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten mit dem Neid umzugehen.

  • Destruktiv – in dem man, den vermeintlich besseren, schlecht macht.
  • Depressiv – in dem man im Selbstmitleid versinkt
  • Oder positiv –
    in dem ich mich von dem Neid herausfordern und antreiben lasse. Mein Ehrgeiz geweckt wird und ich mal hinterfrage, was denn den Neid hervorbringt. Denn immer wenn Neid aufkommt, läuft in meinem fotografischen Leben etwas nicht so, wie ich es gerne hätte. Und dann kann ich mir überlegen, wie ich daran arbeite.

Zum Beispiel an meiner Faulheit.
Nun so wirklich faul würde ich sagen bin ich nicht. Man könnte das auch als effektiv bezeichnen, möglichst schnell mit wenig Aufwand zu einem guten Bild zu kommen. Aber gerade in der Streetphotografie wird doch oft eher Geduld belohnt als Hektik. Und wenn ich nicht raus auf die Straße gehe, bekomme ich keine neuen Bilder. Wenn ich mir nicht die Zeit nehmen, die Bilder zu bearbeite, kommt auch nix raus. Und sowieso ist das Licht schlecht heute und das Wetter passt nicht und dann pöpeln mich die Leute wieder an und, und, und….

Ob man nach dem Buch wirklich bessere Bilder macht, weiß ich nicht. Aber ich fand es sehr interessant, mal auf diese Art an das Fotografieren und die Kreativität heranzugehen. Insofern ist eines der Bücher mit den meisten Markierungen. Letztlich wird man aber doch nur durchs Tun besser.

Also arbeite ich jetzt mal an meiner Wollust…. ich werde berichten!

ralphus

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